
Was ist Anusara® Yoga – und warum es mein Herzensthema ist
Was ist Anusara® Yoga – und warum es mein Herzensthema ist
Zu Beginn ihres Yoga-Wegs möchten die meisten Teilnehmenden „eben Yoga“ machen — und kennen die Unterschiede zwischen den zahlreichen Stilen nicht. Das ist nicht schlimm. Doch ich finde es schade, wenn man um die Unterschiede nicht weiß und dann eine Yoga-Erfahrung undifferenziert abhakt á la „Das ist nichts für mich“, „zu anstrengend“, „zu wenig anstrengend“, … Denn das kann zum Einen an der Lehrkraft liegen (ja, hier darf man durchaus auch darauf achten, dass die Chemie stimmt) und zum Anderen an dem praktizierten Stil. Darauf möchte ich in diesem Artikel gern aufmerksam machen — nicht ohne die Besonderheiten „meines“ Stils hervorzuheben. Denn ich bediene mich verschiedener Stile, bin allerdings nach „Anusara“ ausgebildet und habe diesen Stil jahrelang praktiziert, wodurch er mein Yoga-Verständnis im Allgemeinen sehr prägt.
Denn Anusara® Yoga ist eine Einladung, das Leben mit Offenheit und Gnade zu begegnen – auf der Matte und weit darüber hinaus.
Der Name selbst stammt aus dem Sanskrit: anu = gemäß, sara = Strömung, Gnade. Frei könnte man das Wort also mit „In den Fluss der Gnade eintauchen" übersetzen. Das bedeutet im Unterricht: Jede Pose wird nicht als technische Übung verstanden, sondern als Möglichkeit, sich dem eigenen innewohnenden Potenzial zu öffnen.
Dieser Bezug wird u.a. vermittelt durch das sogenannte Herzthema, das zu Beginn der Stunde in einigen kurzen Sätzen vorgestellt wird und das sich dann immer wieder, während der Praxis, zeigt. An einem Beispiel lässt sich dies sicherlich besser veranschaulichen: Ein häufig verwendetes Herzthema ist die mögliche Gleichzeitigkeit zwischen Stabilität und Freiheit. Während wir mit der Beinmuskulatur Stabilität in der unteren Körperhälfte kreieren, kann der Oberkörper umso freier bewegt werden. Dies ist beispielweise in Standhaltungen wie dem Zweiten Krieger gut zu erspüren. Und um genau dieses Erspüren geht es: Wenn wir Begriffe wie Weite, Öffnung, Vertrauen, Stabilität etc. mithilfe der Yoga-Haltungen im Körper spüren, bekommen wir eine neue Beziehung zu diesen Qualitäten und können sie auch außerhalb der Yogamatte ins Leben integrieren.
Dies alles wird erreicht durch die Verwendung von fünf Ausrichtungsprinzipien, die in der Theorie sehr technisch klingen, in der Praxis jedoch die Ausführung der Asanas eher erleichtern. Und einmal verstanden, wirken sie wie ein innerer Kompass und verändern die gesamte Körperwahrnehmung.
Aufgrund dieser Hintergründe ist es ein geläufiges Missverständnis, dass Anusara® ein Stil für Fortgeschrittene sei. Doch das Gegenteil ist wahr. Gerade weil jede Pose auf denselben Grundprinzipien aufbaut, können Anfängerinnen und Anfänger sofort ein tiefes Körpergefühl entwickeln – ohne jahrelange Vorerfahrung. Zudem werden die Grundprinzipien nicht theoretisch durchdekliniert, sondern sind in den Ansagen der Lehrperson enthalten und werden in einfacheren Worten umschrieben.
Was mich an Anusara® bis heute begeistert: Die Philosophie lässt sich direkt ins Leben übertragen. Das Prinzip „Öffne zur Gnade" bedeutet nicht nur, die Schultern zu öffnen – es bedeutet, auch im Alltag Momente der Stille und des Vertrauens zuzulassen.
Ich selbst habe durch Anusara® gelernt, weniger gegen mich anzukämpfen und mehr mit mir zu arbeiten. Weitere Erkenntnisse können sein „Ich darf meinen Raum einnehmen“ oder „Ich kann vertrauen“.
Im Folgenden möchte ich dir noch einen kleinen (nicht vollständigen) Überblick über weitere Yogaarten und die Abgrenzungen geben:
Yin Yoga: Haltungen werden lange gehalten, um tiefere Gewebsschichten zu erreichen, hier geht es mehr um Dehnung und Loslassen, als um Auspowern
Ashtanga: Feste Abfolgen von Asanas werden zügig wiederholt, kraftvoller und körperlich anstrengender Stil
Vinhasa: Die einzelnen Haltungen werden fließend miteinander verbunden, ebenfalls körperlich anspruchsvoll
Hatha Yoga: Im Mittelpunkt stehen die einzelnen Haltungen
Iyengar Yoga: Im Mittelpunkt stehen die einzelnen Haltungen und ihre körperliche Ausrichtung
Restorative Yoga: Ein Entspannen ist in den Haltungen vorgesehen, allerdings noch mit einer Restspannung im Körper (vs. Yin: komplettes Loslassen)
Kundalini: Hier spielt der philosophische Hintergrund eine größere Rolle. So gehört das Chanten (Mantren singen) u.a. zu dieser Praxis.
In meinen Kursen nutze ich auch Yin Yoga und Übungen aus dem Achtsamen Yoga, auch Somatic Yoga genannt, dass für sich gesehen aber eigentlich kein eigener Stil ist, sondern eher eine Strömung.