
Achtsame Kommunikation
Schon in der Antike machten sich Philosophen Gedanken darüber, wie die Menschen miteinander kommunizieren. Besonders faszinierend finde ich daran, dass die Erkenntnisse heute noch so eine große Gültigkeit haben.
So sprach schon im Jahre 400 v. Chr. der griechische Philosoph Sokrates von „drei Sieben“, durch die wir unsere Gedanken gewissermaßen prüfen sollten, bevor wir sie aussprechen. Er „siebte“ seine Worte nach den drei Kategorien
Ist es wahr?
Ist es gut?
Ist es nützlich?
Fast zwei Jahrtausende später verwendete einer der bedeutendsten persischsprachigen Dichter des Mittelalters, Rumi, das Symbol von Toren in einem ähnlichen Zusammenhang. Er empfahl, dass jeder Mensch, bevor er*sie spricht, zunächst durch „die drei Tore hindurchgehen“ soll. Jedes Tor steht dabei für eine Frage:
Sind die Worte wahr?
Sind sie notwendig?
Sind sie freundlich?
Ich finde, in der heutigen Zeit können wir diese Tore besser denn je gebrauchen, um die Reizüberflutung um uns herum zu filtern. Und auch, um uns selbst zu überprüfen, wie viel wir zu dieser Reizüberflutung selbst beitragen und wie viel, von dem, was wir sagen, wirklich dienlich ist. Ganz schnell wird dadurch ein Tratsch oder eine Lästerei als völlig überflüssig entlarvt. Wohingegen ein nettes, freundliches Wort durchaus einen großen Wert haben kann.
Auf diese Weise zu reflektieren, hat auch viel mit Achtsamkeit und achtsamer Kommunikation zu tun. Denn anstatt unbedacht Dinge zu äußern, halten wir, nach diesem Ideal, inne und befragen uns: Ist es wahr, notwendig, freundlich, das zu sagen? Wieder nutzen wir den Raum zwischen Reiz und Reaktion, um verantwortungsvoll und bewusst zu handeln.